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Danke für 142 schöne Jahre

Die Barmherzigen Schwestern übergeben die Bildungsgemeinschaft St. Marien an die Vereinigung der Ordensschulen Österreichs (VOSÖ). Gefeiert wurden Abschied und Neubeginn mit einem Festakt am 30. Juni 2015.

Nach 142 Jahren geben die Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul ihr letztes Werk in andere Hände. Kindergarten, Volksschule und Neue Mittelschule werden an die Vereinigung der Ordensschulen Österreichs (VOSÖ) übergeben und auch das Kloster St. Marien wird aufgelöst.

Alle Bilder © Katrin Bruder

Viele Festgäste kamen am Dienstag, 30 Juni 2015 in die Schule St. Marien. Neben den Vertreten des neuen Schulerhalters (Rudolf Luftensteiner, Sr. Cäcila Kotzenmacher) waren auch Dr. Christine Mann (Leiterin des erzbischöflichen Schulamtes), Bezirksvorsteher Markus Rumelhart, BSI Martin Kirchmayer sowie viele andere Freunde und Wegbegleiter gekommen um den Schwestern für ihren Einsatz zu danken. 170 Jahre haben die letzten 6 Schwestern, die in der Schule tätig waren und denen der besondere Dank gilt, in Summe für die Kinder gearbeitet.

Alle Bilder © Katrin Bruder

In der Kapelle segnete Generaloberin Sr. Cordula Kreinecker als sichtbares Zeichen der Übergabe der Verantwortung an den neuen Schulerhalter Rudolf Lufteinsteiner und Sr. Cäcilia. Die Kinder der NMS haben ihre (Segens)wünsche in einem Buch zusammengefasst, das den Schwestern, gemeinsam mit einem Bild, überreicht wurde. Stellvertretend für alle Kinder der Schulen sprach David (4b) das Segensgebet über die Schwestern, damit sie als von den Kindern gesegnete gut Abschied nehmen und in ihren neuen Lebensabschnitt hineingehen können.

Abschließend sangen in der Halle der Schule alle 600 Kinder gemeinsam das Lied „Mitten im Leben“, das Birgit Baumgartner 2006 anlässlich des Jubiläumsjahres 175 Jahre Barmherzige Schwestern in Wien-Gumpendorf komponiert und getextet hat.

Alle Bilder © Katrin Bruder

Text: Helmut Klauninger

VOSÖ wird St. Marien „mit großer Hochachtung“ weiterführen

Bericht der Ordensgemeinschaften Österreich (rs)

Am 30. Juni 2015 wurde in einem feierlichen Dankesfest Schule und Hort der Bildungsgemeinschaft St. Marien im 6. Wiener Gemeindebezirk vom bisherigen Schulträger, der Kongregation der Barmherzigen Schwestern, an die Vereinigung von Ordensschulen Österreich (VOSÖ) übergeben. Die bewegende Feierlichkeit war geprägt von der Gewissheit, dankbar auf das Vergangene und hoffungsvoll auf das Kommende schauen zu können.

Die Wurzeln der Ordensschule St. Marien in der Liniengasse 21 im 6. Wiener Gemeindebezirk reichen bis ins Jahr 1832 zurück. Barmherzige Schwestern, ursprünglich nach Wien gerufen, um die Bevölkerung in einer Choleraepidemie zu unterstützen, nahmen sich zwölf armer Mädchen an und unterrichteten sie privat. 1873 entstand aus diesen Anfängen eine zweiklassige Volksschule ohne Öffentlichkeitsrecht – der eigentliche Beginn von St. Marien. 1880 wurde der Ordensschule das Öffentlichkeitsrecht als Mädchen-Volksschule verliehen. 1927 wurde die erste 1. Klasse Hauptschule eröffnet.


St. Marien: zeitgemäß, kreativ und vielfältig

St. Marien und die Barmherzigen Schwestern waren über Generationen miteinander verbunden; umso verständlichere ist es, dass sich der Festakt zur Übergabe an einen neuen Schulträger, der Vereinigung von Ordensschulen Österreich (VOSÖ), sehr emotional gestaltete. Generaloberin Sr. Cordula Kreinecker dankte in ihrer Festansprache für die 142 Jahre, in denen die Kongregation zum Wohle von Kindern hier wirken durfte: „Das christliche Weltbild und die daraus abgeleitete werteorientierte Erziehung waren uns dabei stets ein großes Anliegen.“ Die Anfänge von 1873 zeigten, dass es damals nicht selbstverständlich war, dass Kinder eine gute Erziehung erhalten; in manchen Ländern sei es das bis heute nicht. „Die Schwestern von damals waren echte Pionierinnen. Bis heute haben sie es verstanden, immer gemeinsam mit Fachkräften am Puls der Zeit zu bleiben. Bei Schulveranstaltungen kann man sich überzeugen, wie zeitgemäß, kreativ und vielfältig die Kinder unterrichtet werden.“ Sie sei überzeugt, dass das Werk, das sich in diesen 142 Jahren bestens entfalten habe, unter der Leitung des neuen Schulträgers gut weitergehen werde.

Schwestern sind Teil der Schulgeschichte Wiens

Die Leiterin des Schulamtes, Dr. Christine Mann, betonte in ihren Grußworten, dass die Barmherzigen Schwestern sich unauslöschlich in das Buch der Wiener Schulgeschichte geschrieben haben. „Das gleiche gilt für die Sozialgeschichte Wiens, für die Geschichte des Kindergartenwesens und selbstverständlich auch für die Geschichte des Wiener Spitalwesens. Darauf dürfen Sie stolz und mit uns gemeinsam dankbar sein!“

Ort der geistigen Nahrung

In dieselbe Kerbe schlug auch Bezirksvorsteher Markus Rumelhart: „Mariahilf gilt heute als einer der sozialsten Bezirke Wiens. Der Grundstein dafür wurde auch durch das Engagement der Schwesterngemeinschaft gelegt!“ Eine Einrichtung lebe nicht nur von den Straßen, Plätzen oder Parkanlagen, sondern vor allem von Menschen, die ein offenes Herz für andere hätten. Rumelhart: „Ein wesentlicher Teil der Unterstützung für andere Menschen betrifft die Ausbildung. Menschen brauchen auch geistige Nahrung, um sich in der Zukunft weiterentwickeln können. Dazu hat dieses Haus in den letzten 142 Jahren wesentlich beigetragen. Vielen Dank!“

Alle Bilder © Katrin Bruder

Schule mit Mehrwert

„Die Rolle des Schulerhalters besteht darin, Grund und Boden zur Verfügung zu stellen. Aber die Barmherzigen Schwestern haben mehr getan: Der wichtigere Teil war der Geist, der in diesem Haus herrschte“, brachte es auch Bezirksschulinspektor Martin Kirchmayer auf den Punkt. Man habe in diesem Haus den Zusammenhalt gespürt, die Zielstrebigkeit, die Liebe zu den Kindern mit dem Vorsatz, ihnen etwas für ihr Leben mitzugeben. „Das ist der große Mehrwert einer guten Schule: Den Kindern zu erkennen ermöglichen, was sie können, was ihnen Spaß macht, was sie in sich selbst weiterentwickeln können. Das gilt es zu fördern und zu forcieren“, so Kirchmayer.

Teil der Gemeinschaft

Die emotionalste Rede hielt Oberin Sr. Hyazintha Brandner. Sie fand bewegende Worte des Dankes an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch an Gott und die Gottesmutter Maria. Der Abschied falle ihr schwer. „Die Gemeinschaft ist geprägt vom Zusammenspiel der verschiedenen Talente und Fähigkeiten, die jeder einzusetzen versucht. Das ist getragen von gegenseitiger Achtung und Vertrauen. Wir Schwestern waren immer gerne Teil dieser Gemeinschaft, weil wir uns trotz unseres fortgeschrittenen Alters als nützliches Mitglied fühlten.“ Doch man wisse, dass die VOSÖ die Bildungseinrichtung nach christlichen Werten und im Sinne des Ordens weiterführen werde. Deshalb übergebe man die Schule und den Hort vertrauensvoll in ihre Trägerschaft.

VOSÖ: St. Marien wird mit großer Hochachtung weitergeführt

„Die Schwestern von St. Marien haben mit dem ihnen anvertrauten Gut bestens gewirtschaftet“, sagte Sr. Cäcilia Kotzenmacher; Vorstandsvorsitzende der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs. „Wir sind hier, um Danke zu sagen für die Menschen, die hier ihre ganze Kraft eingesetzt haben, um jungen Menschen Wegbegleiter in ein gelingendes Leben zu sein.“ Eine Ära gehe zu Ende. Leider fehle es an jüngeren Ordensfrauen im schulischen Bereich, aber man müsse den Barmherzigen Schwestern Hochachtung zollen, dass sie diesen neuen, kühnen Weg beschritten hätten. Sr. Cäcilia: „Heute darf ich Ihnen von Herzen danken und versichern, dass wir Ihr Werk mit großer Hochachtung, großem Verantwortungsbewusstsein und mit großem Gottvertrauen übernehmen und in ihrem Sinne weiterführen werden.“

Text: Ordensgemeinschaften Österreich (rs)
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