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Zeitgeschichteprojekt 4. KMS

2012/13: Auf Spurensuche

Die heutigen Erwachsenen wurden in ihrer Kindheit mit der einen oder anderen Begebenheit aus der Zeit des Nationalsozialismus konfrontiert. Sei es, dass sie auf taube Ohren beim Anschneiden des Themas stießen, ihnen darüber emotional berichtet wurde oder der Geschichtsunterricht mit dem Ersten Weltkrieg endete.
Unsere vierten Klassen haben kaum noch Bezugspersonen, die selbst in diesem Zeitraum geboren bzw. sich darin erinnern können. Die Zeit fließt dahin und somit auch der Abstand zu diesen Ereignissen.

Aufgrund des enormen Bruchs, der damals durch die Gesellschaft ging, ist diese Epoche nicht aus dem Geschichtsunterricht wegzudenken. Deshalb ist es unserem Lehrerteam ein Anliegen, viel Zeit in diese Thematik zu investieren und jedes Jahr ein eigenes Projekt dazu zu gestalten. Dabei sollen möglichst aktuelle pädagogische Zugänge in dieses einfließen. Die Rückmeldungen der Schüler helfen uns dabei, Verbesserungen aufzunehmen und in die kommende Projektwoche zu integrieren.

Wie im letzten Jahr gelangten wir zur tief verschneiten Gedenkstätte Mauthausen, wo eine speziell ausgebildete Dame, uns durchführte. Es ist das letzte Mal, dass wir das ehemalige Konzentrationslager in dieser Form gesehen haben. Seit einiger Zeit wird an der neuen Ausstellung fleißig gearbeitet. Im Mai soll diese eröffnet werden.

Beeindruckend war der Workshop im Heeresgeschichtlichen Museum, der sich mit Kindersoldaten und Krieg auseinandersetzte. Unsere Schüler hatten die Möglichkeit mit einem ehemaligen Kindersoldaten zu sprechen bzw. mit einer Frau, die als Kind den Krieg in Sarajewo miterlebte. Ihre Erlebnisse hielt sie in einem Tagebuch fest, das nach ihrer Flucht veröffentlicht wurde. Warum besuchten wir gerade diesen Workshop? In der NS-Zeit wurde die Jugend zum Krieg erzogen und gegen Ende des Regimes immer mehr Kinder und Jugendliche zu den Waffen geholt. Dieser Missbrauch, der schon seit Jahrhunderten besteht, hat nicht aufgehört. Deswegen war es uns wichtig, ein wenig zur Bewusstseinsbildung beizutragen.

Gerne setzten wir uns wieder im Jüdischen Museum mit der Geschichte und Tradition dieser Religion und der Kultusgemeinde Wien auseinander. Auch hier wird versucht, ein neues Konzept anzuwenden, indem den Schülern Geschichte anhand einer Biografie nähergebracht wird und sie zur Selbsttätigkeit anregen soll.

Diesen Ansatz haben wir in unserem Workshoptag aufgenommen, bei dem jeder Schüler die Möglichkeit hat, sich einen Tag lang mit einem Thema schwerpunktmäßig auseinanderzusetzen. Zwar ist dies immer sehr intensiv und anstrengend, die Beiträge unserer Schüler waren jedoch hervorragend und von immenser Kreativität getragen.

Bevor wir die Woche mit der Reflexionsrunde abschlossen, spannten wir noch einmal den Bogen zum Beginn unseres Projekts und widmeten uns der „Hasenjagd“, die auf russische Offiziere in Mauthausen stattgefunden hat. In großer Sensibilität erzählt dieser Film, nicht nur von den Ereignissen, sondern stellt in beeindruckender Weise die Gruppen der Täter, Opfer und Mitläufer dar.

Die Rückmeldungen unserer Schüler haben uns ermutigt, im nächsten Jahr wieder ein solches Projekt anzubieten.

(Kopetzky / Februar 2013)

Bilder vom Zeitgeschichteprojekt 2012/13